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Gerhard J. Ernest

von Gerhard J. Ernest | 14.04.2014

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Magersucht: Lebensgefahr durch krankhaftes Hungern

Im Startartikel zu dieser Serie „Wie gut verkaufen Sie sich?“ lesen Sie, welche Faktoren das „Gesamtpaket“,
das Sie darstellen, in den Augen Dritter ausmacht. Klingt fast ein bisschen wie auf dem Sklavenmarkt, oder? Was passiert, wenn Menschen den Eindruck haben, Ihr Äußeres weiche vom mediengehypten Schönheitsideal ab, erfahren Sie hier. Magersucht hat sehr vielfältige Auslöser, deren Darstellung sowohl das Ziel als auch den Umfang dieser Serie sprengen würde. Meine Betrachtung reduziert sich deshalb auf einige allgemeine Aspekte dieser traurigen Entwicklung.

Tabuthema Magersucht: Lebensgefahr durch krankhaftes Hungern

Besonders in wärmeren Tagen ist der Diätwahnsinn in vollem Gange. Wer ein paar Pfunde zu viel mit sich herumschleppt, gerät dann schnell in Panik. Das vorherrschende Schlankheitsideal duldet einfach kein Übergewicht. Abnehmen um der Gesundheit willen ist äußerst lobenswert. Was aber tun, wenn sich dahinter ein völlig gestörtes Verhältnis zur Ernährung verbirgt?

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Foto: Ernest

Magersüchtig wie Kaiserin Sissi

Übertriebenen Körperkult, Schlankheits- und Schönheitswahn gab es zu allen Zeiten. Beschrieben wurde dieser gefährliche Trend bereits im 17. Jahrhundert. Allerdings trug erst die österreichische Kaiserin Sissi dazu bei, dass Magersucht einen wissenschaftlichen Namen erhielt. Zu ihrer Zeit galt Sissi als eine der schönsten Frauen überhaupt. Leider lässt sich diese Wertung nicht auf eine natürliche Topfigur zurückführen. Vielmehr quälte sich die Kaiserin lebenslang mit strenger Diät sowie mit ausgiebigem Fasten, Turnen und Reiten, nur um schlank zu wirken. Bei einer Größe von hundertzweiundsiebzig Zentimetern wog Sissi nur noch fünfundfünfzig Kilogramm, wobei sie ihre Taille mit Hilfe eines Korsetts auf fünfzig Zentimeter zurrte.

Heute geht die Fachwelt davon aus, dass Sissi unter Magersucht (Anorexia nervosa), einer seelisch bedingten Appetitlosigkeit, litt. Die Wahnvorstellung gipfelte darin, dass die Kaiserin ab ihrem 31. Geburtstag sich nie mehr ohne Fächer vor dem Gesicht fotografieren ließ: Sie verwendete ihr ganzes Streben darauf, als ewig fit, sportlich und jung zu gelten.

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Foto: Ernest

600.000 Essgestörte

Fachärzte, die sich mit Psychosomatik beschäftigen, erklären, dass seit rund zwanzig bis dreißig Jahren ein fünfzehnprozentiger Anstieg von Essstörungen zu verzeichnen sei. Meist handele es sich um eine übermäßig eingeschränkte Nahrungsaufnahme. Betroffene seien von der Angst getrieben, dick zu werden, weisen allerdings meist schon ein viel zu niedriges Körpergewicht auf. Der Statistik zufolge wird in Deutschland etwa jede zweihundertste Frau irgendwann im Laufe ihres Lebens magersüchtig.

Medien und Kino beeinflussen Körper-Wunschdenken

Besorgt sprechen Experten davon, dass die Sucht zu hungern in immer früherem Alter entsteht. Zur Risikogruppe zählen überwiegend Frauen im Alter von etwa fünfzehn bis dreißig Jahren. In Fachkliniken behandelt man heute jedoch auch schon elfjährige Mädchen. Ältere Frauen können ebenfalls an Magersucht erkranken. Wegen der Körperideale, die uns Internet, Zeitungen und Kino aufzwingen, gefährdet Magersucht (Anorexie) mittlerweile zudem auch Männer. Alle vereint überwiegend die große Sorge, nicht perfekt genug auszusehen.

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Foto: Ernest

Auch Männer leiden unter Magersucht

Bunte Blätter oder Internetportale berichten regelmäßig von Starlets, Künstlern und renommierten Filmschauspielern, die einer Rolle, besserer Vermarktung wegen oder aus privaten Gründen das Auf und Ab mit ihrer Figur erleiden. Auch von Rennfahrern, Skispringern, Radrennfahrern oder anderen Sportlern hört man gelegentlich, dass die Figur das eigentliche Kapital sei. Psychologen und Ernährungs-Experten warnen in zunehmendem Maße allerdings auch Manager, Selbstständige, Unternehmer und andere führungsverantwortliche Männer vor diesem Problem. Oft sehr diskret, denn Magersucht gilt überwiegend noch als Frauenkrankheit. Wer will und darf sich vermeintliche „Schwäche“ eingestehen? Mediziner gehen davon aus, dass Essstörungen bei Frauen und Mädchen wesentlich häufiger vorkommen als bei Männern. Betrachtet man sich die Statistiken über die Konsultationen bei plastischen Schönheitschirurgen in Sachen Fettabsaugung & Co., stellt man fest, dass sich mittlerweile Männer und Frauen die Waage halten. Gut, das Ganze muss Frau und Mann sich auch leisten können.

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Foto: Ernest

Psycho-Erkrankung Nummer eins

Laut Bundesfachverband Essstörungen zählen Ess- und Brechsucht (Bulimia nervosa), Magersucht (Anorexia nervosa) und Ernährungsstörungen mit Essanfällen (Binge Eating Disorder) in der westlichen Gesellschaft zu den häufigsten Erkrankungen. Die Übergänge sind oft fließend, wobei es häufig auch zu Mischformen kommt. Zur Behandlung von Magersucht empfehlen sich ernährungs- oder psychotherapeutische Maßnahmen durch ausgewiesene Experten.

Selbsthilfegruppe als Rettungsanker

Oft schleicht sich Magersucht relativ leise in ein Leben. Man findet sich zu pummelig, möchte auf die Schnelle deutlich an Gewicht verlieren oder ärgert sich über eine wiederholt erfolglose Diät. Man verkneift sich Süßes, beginnt Sport zu treiben und unterstützt das selbst auferlegte Abnehmen durch gezieltes Hungern. Letztendlich fallen ganze Mahlzeiten aus. Während Familie, Freunde und Partner schon längst erkannt haben, dass der Betroffene bis auf die Knochen abgemagert ist, fühlt er sich selbst noch immer viel zu dick. Und das Ergebnis? Magersucht.

Psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen

Eine Chance, dem lebensbedrohlichen Untergewicht zu entgehen, lautet: die Suche nach Selbsthilfegruppen – alleine oder in Begleitung von Vertrauten. Betroffene oder Angehörige sollten sich beim Haus- oder Facharzt oder in Spezialkliniken beraten lassen. Expertentipps, wo und in welcher Form eine individuelle psychosoziale Beratung oder die stationäre Behandlung in einer Spezialklinik erfolgen kann, sollten nach dem Eingeständnis des gesundheitlichen Problems möglichst zeitnah in Anspruch genommen werden. Erklärtes Hauptziel sollte es sein, körperliche Folgeschäden der Magersucht einzudämmen oder gefährlichen psychosomatischen Entwicklungen vorzubeugen.

Vorbeugende Maßnahmen

Die Ursachen einer Magersucht können sehr vielschichtig sein; auch Fachärzte können sie nicht immer auf Anhieb herausfinden. Als Hauptempfehlung zur Vorbeugung kann gelten: Den Rahmen dafür schaffen, dass Hauptmahlzeiten regelmäßig in aller Ruhe eingenommen werden können. Nur so wird Essen „konfliktfrei“. Kinder sollten nicht zum (Auf-)Essen genötigt werden. Erste Anzeichen eines abnormalen Essverhaltens sollten frühzeitig ehrlich und offen besprochen werden. Ein ständig leerer Kühlschrank, regelmäßiger Gebrauch von Abführmitteln und Appetitzüglern oder der konsequente Kauf und Verzehr kalorienarmer Lebensmittel sind erste Warnsignale. Betroffene und deren Angehörige sollten bei ersten Anzeichen professionellen Rat von Ärzten, Beratungsstellen oder Psychologen einholen.

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Foto: Ernest

Attraktivität bestimmt den menschlichen Marktwert

Internationale Erhebungen zu diesem Thema zeigen: Eine grazile Figur bringt Frau außer Bewunderung messbar mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt und im Geschäftsleben. Gleiches gilt für Männer, wobei hier sowohl die Körpergröße als auch Muskeln signalisieren, was täglich in Stellenanzeigen gefordert wird: Dynamik, Durchsetzungskraft, entschlossenes Auftreten und, und, und. Nicht alle erfreuen sich von Natur aus eines Idealgewichts, „perfekter“ Nasenflügel oder einer idealen Ohrengröße, um nur einige „Defizite“ zu nennen, die finanzielle Einbußen bringen können.

Fazit: Jeder sollte in Sachen Körpergewicht erkennen, dass das Streben nach einem attraktiven „Gesamtpaket“, wie im Auftakt dieser Artikelserie beschrieben, an gesundheitliche Grenzen stößt.

Wie und wann diese Serie weiter geht?

Wie bereits erwähnt, es gibt viele Aspekte, die zum Themenkreis „Wie gut verkaufen Sie sich?“ gehören. Zum Glück gibt es auch noch Menschen, die zu ihrem persönlichen Mehr an Pfunden stehen. Die Fortsetzung des leidlichen Themas „Idealgewicht“ (fragt sich, was ist ideal?) handelt von Frauen, die sichtbar mehr auf die Waage bringen als die divenhaften Haute-Couture-Models. Sie werden hier über quicklebendige Frauen lesen, die sich trotz gewisser Fülle von einer Modefotografin in Szene setzen ließen.

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